Es beginnt in Ihrem Kopf

Eigentlich wollte ich in meinem heutigen Beitrag etwas über das Desaster bei Stadtwerk Winterthur, einen Nachtrag zur Abstimmung über die Energiestrategie oder etwas über die Initiative AHV-Plus schreiben – eigentlich. Es ist Sonntagmorgen, ich geniesse eine gute Tasse Kaffee auf meinem Balkon und klicke auf meinem Tablet auf «News». Oh schon wieder ein Beitrag über den Anschlag am Ariane Grande Konzert? Nein nicht schon wieder ein Beitrag – schon wieder ein Anschlag. Ich habe nicht mitgezählt, wie viele Anschläge es in den letzten zwei Jahren in Europa gegeben hat. Jeder Anschlag ist einer zu viel und doch habe ich das Gefühl, dass wir von Attentat zu Attentat mehr abstumpfen. So absurd es klingen mag, es wird zu einer Art Alltag – einem unheimlichen Alltag. Die Abläufe sind immer gleich. Anschlag, Medien veröffentlichen selbstgemachte Handyvideos (wer kommt eigentlich auf die Idee in so einer Situation zu filmen?), Staatschef twittern ihr Beileid, Facebook aktiviert die Möglichkeit die Trauer auf dem Profilbild auszudrücken und Zeitungen schreiben darüber, was der Täter für eine Person war und was ihn angetrieben hat. Dieses «Rösslispiel» beginnt immer wieder erneut von vorne – bei jedem Anschlag. Es klingt vermutlich kalt, wenn ich sage, dass es abstumpft. Aber vermutlich muss es abstumpfen, sonst wäre unser Leben eine einzige Katastrophe. Und doch kommt plötzlich im Alltag wieder dieses ungute Gefühl der Unsicherheit hoch. Vielleicht an einem Grossanlass in einer Menschenmenge oder in der S-Bahn, wenn eine Person mit Rucksack und Vollbart einsteigt. Ertappt? Kennen Sie das Gefühl? Wenn nicht seien Sie froh, wenn ja kann ich Ihnen versichern, dass es vielen so geht. In der Schweiz hatten wir bis jetzt Glück. Und noch was unterscheidet uns von England, Belgien oder Frankreich, wir haben keine allzu grosse Ghettoisierung – und genau darin denke ich, liegt der Schlüssel zum Erfolg. Menschen, welche dauerhaft bei uns bleiben müssen unbedingt integriert werden. Damit meine ich nicht ein Programm à la Schweizermacher, sondern eine Integration in Mitten der Gesellschaft. Beim Sportclub, in der Schule, in sonst einem Verein – egal wo. Der Kontakt zu der einheimischen Bevölkerung ist extrem wichtig. Dafür braucht es aber den Willen von beiden Seiten, es braucht Verständnis und manchmal auch mehrere Anläufe. Schlussendlich ist aber Integration der bessere Weg als Massenüberwachung auf allen Kanälen. Benjamin Franklin sagte einmal sinngemäss: «Wer die Freiheit aufgibt um Sicherheit zu gewinnen, der wird am Ende beides verlieren.» Freiheit bedeutet aber auch Verantwortung und diese Verantwortung müssen wir wahrnehmen. Schlussendlich liegt der Schlüssel wie so oft bei jedem von uns. In diesem Sinne, sehen Sie nicht das Fremde – sehen Sie den Menschen, schlussendlich beginnt alles in Ihrem Kopf.

Jan Fehr