Mit der Vergabe des städtischen Jugendpreises an die Organisatoren der Winterthurer Klimastreiks setzt der Stadtrat ein äussert einseitiges Zeichen zugunsten einer links-grünen Symbolpolitik. Doch mit Streiks werden noch keine Probleme gelöst, sondern leider primär bewirtschaftet. Resultat sind verhärtete Fronten in der politischen Landschaft, statt ein lösungsorientierter Diskurs.

Die Jungfreisinnigen Winterthur begrüssen das Engagement der heutigen Jugend – speziell auch in Winterthur – für aktuelle politische Themen. Zweifellos ist die Klimaveränderung ein Thema mit grosser Wichtigkeit. Es herrscht denn auch Konsens darüber, dass eine Verringerung der CO2-Emissionen notwendig ist. Auch als bürgerliche Jungpartei negieren wir dies nicht, einzig unsere Rezepte sind deutlich andere.

Leider geniesst die Klimabewegung einen omnipräsenten Auftritt in den Medien, das Feld ist sehr einseitig. Die Schweiz ist allerdings ein Land, in welchem thematische Gegensätze beleuchtet und diskutiert werden sollten. Dieser politische Diskurs fehlt heute. Es herrscht eine starke Gruppendynamik, mit welcher Jugendliche vereinnahmt und beinahe infiltriert werden. Klimastreikende sind keinesfalls wie gerne dargestellt «neutral», sondern vertreten zumeist eine sozialistische Ideologie und somit Agenda. Belegen lässt sich dies beispielsweise allein mit der Auswahl von ausschliesslich partisanischen Liedern (zuletzt «Bella Ciao» an der provokativen Demonstration im Nationalratssaal vom 19.09.2019, https://www.nzz.ch/schweiz/klima-demonstranten-stoeren-debatte-im-nationalrat-ld.1509776).

Die Vergabe des Jugendpreises der Stadt Winterthur an die Winterthurer Regionalgruppe Klimastreik stellt eine sehr einseitige Würdigung dar. Es handelt sich um einen Affront gegenüber der Stadtbevölkerung, wenn eine links-grüne Stadtregierung ihre eigenen Anhänger finanziell belohnt und so ein deutliches politisches Statement setzt. Dieses tendenziöse Verhalten ist einem im Interesse der Allgemeinheit dienenden Stadtrat nicht würdig – ganz gleich, welche Mehrheit gerade vorherrscht.

Als Beispiel wurde der Jugendpreis 2018 an die Winterthurer Spielgruppen verliehen. Dort kann eine solche Summe einen wichtigen Beitrag zur Frühförderung leisten und kommt allen Schichten zugute, ebenso mit der Vergabe 2017 an die drei Ludotheken in Winterthur. Der diesjährige Preis offenbart jedoch leider, wie sehr sich nun auch der Stadtrat von Forderungen von der Strasse beeinflussen lässt.

Ein Widerspruch dieser Aktion stellt gleichzeitig eine merkwürdige Pointe dar: Eine proklamiert antikapitalistische Organisation, welche Slogans wie «Das Klima kann man nicht zurückkaufen» auf ihren Plakaten verbreitet, erhält nun quasi einen Lohn für freiwillige Arbeit. Freiwilliges Engagement auszuzeichnen ist sehr lobenswert, doch mit der Vergabe von 10’000 Franken erhält die erwähnte Organisation ein finanzielles Polster, welches wohl weiterhin für Kreide, Farbe und Stoffbanner ausgegeben wird. Ein effektiver Mehrwert für die Allgemeinheit kann dadurch nicht erreicht werden, weshalb die Vergabe angezweifelt wird. Eine Möglichkeit, sich politisch konkret einzubringen, stellt zum Beispiel das neugegründete Jugendparlament Winterthur dar, dort wird unter den Jugendlichen ein sehr begrüssenswerter Diskurs angestrebt.

Die Teilnahme an Streiks ist heute die beste Möglichkeit, um dem Unterricht an den Volksschulen zu entkommen. Auch Fachhochschulen haben bereits mehrfach aktiv auf die Teilnahme aufmerksam gemacht, um Vorlesungen fern zu bleiben (Bsp. Studierendenverein VSZHAW mit ihrer Nachhaltigkeits-kommission). Streiks sind derart en vogue, dass sich die links-grüne Jugend zu sehr darauf versteift und sich quasi selber blockiert. Denn damit lösen sich noch keine Probleme, sondern diese werden primär bewirtschaftet. Die Klimajugend soll konstruktive Forderungen stellen und nicht lediglich populistische Inhalte auf die Strasse tragen, welche die Fronten weiter verhärten. Möglichkeiten zur Einflussnahme in das politische Tagesgeschäft bestehen zur Genüge, einerseits durch Kontaktaufnahme mit Mitgliedern des Grossen Gemeinderates oder auch die Lancierung einer Volksinitiative oder auch etwa eines Jugendvorstosses.

Bei Rückfragen:
– Raphael Perroulaz, Präsident JFW, 079 402 73 37